Peinlich, peinlich


Veröffentlicht am 20. Februar 2019


Peinlich, peinlich

Ein Kommentar von Dr. Ulrich W. Schiefer

Wenn bei Anne Will Pneumologen argumentatorisch aufeinander einschlagen, dann kommt Wallung in die Volksseele – so z.B. im ARD am 27. Januar 2019: „Streit um Abgaswerte – sind Fahrverbote verhältnismäßig?“                            Zuerst der Abgasskandal, Milliardenzahlungen in den USA, keine Hardware-Nachrüstung in Europa und nun der vorläufige Höhepunkt: alles nur Fake News – die Luft ist besser denn je und am besten lassen wir alles, wie es ist, abgesehen von den Fahrverboten.

Mittlerweile ist gefühlt jeder gegen jeden unterwegs:

Der Automobilist fühlt sich durch Fahrverbote betrogen und eines Teiles seiner persönlichen mobilen Freiheiten beraubt. Gleichzeitig sieht er sich einem finanziellen Scherbenhaufen gegenüber, wenn er auf den Restwert seines verbrennerangetriebenen Autos schaut.

Die Politik fühlt sich einerseits von den Herstellern nicht genügend unterstützt, glaubt andererseits aber Arbeitsplätze zu retten, durch das Nichtbestehen auf  Hardwarenachrüstungen. Und die OEM zeigen sich passiv und verlieren –entgegen der Empfehlung des alten Robert Bosch – lieber Reputation bei Kunden und Gesellschaft als Geld.

Aber worum geht es denn wirklich? Ist es das bisschen Last-Mile-Mobility in die Innenstadt? Ist es das Überleben des Diesels? Oder geht es hier nicht vielmehr um die wirtschaftliche Zukunft einer nach dem Zweiten Weltkrieg sehr erfolgreichen Automobilökonomie? Oder geht es darum, wer so saubere Autos baut, dass sie auch den Luftreinhaltungsansprüchen der vielen Megacitys weltweit genügen?

Wie wirkt es denn in der Welt und auch bei den eigenen Bürgern, dass eine Industrie sich jahrzehntelang für ihre überlegene Technologie feiern lässt, sich dann jedoch gefallen lassen muss, dass man ihr nachweist, dass dem zumindest bei der Abgasentgiftung gar nicht so ist, und schlimmer noch nachweist, dass mancher auch noch geschummelt hat.

Und jetzt die Krone: Wenn das alles nichts hilft, dann finden sich schon ein paar Experten, die die Gesetzeslage in Frage stellen. Selbstbewusstsein hilft: bauen wir nicht nur die besten Automobile, sondern wissen auch ganz genau, was das Beste für unsere Kunden und sogar für deren Lunge ist?

Fragwürdig auch, wo denn die Kundenorientierung geblieben ist. So ist die Branche bis jetzt noch nicht mal konstruktiv begleitend dabei, das Auto des verprellten Kunden nachzurüsten. Dieser würde sogar angesichts angekündigter Repressalien in Form von Fahrverboten einerseits und Fördermitteln zur Abhilfe andererseits in die eigene Tasche greifen, um die Technik nachzurüsten, die sein Fahrzeughersteller möglicherweise längst in den USA serienmäßig einbaut und hier in Europa im Sinne besseren Profits weggelassen hat.

Dabei gibt es Beispiele, wie die Japaner, die elegant jeder Zwistigkeit aus dem Weg gehen und wie Yin und Yang gleich das Beste aus der Verbrenner- und der Elektrowelt zusammenbringen. Sie haben schon vor 20 Jahren erkannt, dass die Emissionsarmut bzw. -freiheit eine fundamentale Eigenschaft zukunftsfähiger Mobilität sein wird. Gesagt, getan, entwickelte man den Hybridbenziner und stellte fortan Jahr für Jahr den saubersten Pkw der Welt her, während sich viele andere Hersteller gefühlt weit mehr für den Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft interessierten. Und das Resultat? Bei durchaus ähnlicher Ausgangslage ist Toyota heute viel mehr wert als BMW, Daimler oder VW – obwohl VW Toyota nach Stückzahl überholt hat.

Und noch ein Aspekt: Der Hybrid hat Toyota die unsägliche Diskussion, welcher der bessere Antrieb sei, der Verbrenner oder der E-Motor, erspart. Beide Parteien im Unternehmen mussten sich geradezu zwangsläufig wertschätzen, um gemeinsam erfolgreich Sache zu machen im japanischen Hybridauto.

Und was ist das End von der Geschicht? Während wir uns weiter darüber aufregen, dass in Frage gestellt wird, was gerade noch hochgelobt und schön war, werden in anderen Teilen der Welt technologische Meilensteine gesetzt. So fällt der Verbrennungsmotor und dort speziell der aufwändige Diesel nach und nach aus der heutigen Zeit – und das nicht nur, weil er Welt, Mensch und Tier mehr belastet, sondern zudem viel zu komplex und ohne Subventionen auch viel zu teuer ist. Die Autoindustrie, die Autofahrer, aber auch ganz Europa sollten schnellstens aufwachen! So besteht längst nicht mehr Einigkeit dass wir die besten Automobile bauen. Aber wir haben immer noch die Mittel, die Fähigkeiten und die Menschen, um die besten und für die Zukunftsmobilität relevantesten Autos zu bauen!