Des Königs neue Kleider


Veröffentlicht am 20. September 2018


Angesichts anstehender Investitionen in die Elektromobilität fragte mich ein Kunde, ob es denn denkbar sei, dass die ganze Elektromobilitätsdiskussion nur eine Seifenblase ist, die bei nächster Gelegenheit platzt und alle mit Verbrennungsantrieben weitermachen wie bisher. Besonders im asiatischen Raum boomt die E-Mobilität, allein 170 000 E-Busse wurden in den Jahren 2017 und 2018 gebaut und eingesetzt. Tesla setzt gerade die Zahl produzierter Model X von 5000 auf 7000 Fahrzeuge pro Woche hoch. Der Renault Nissan Konzern stellt mit der Leaf und Zoe Baureihe den Weltmarktführer der Elektrofahrzeuge nach Stückzahl. Es kann also nicht mehr darum gehen, ob E-Mobilität überhaupt machbar ist, sondern nur darum wer an der Richtigen Stelle das Richtige Produkt auf den Markt bringt. Dennoch beunruhigen die vollmundigen Produktvorankündigungen Chinesischer Automobilhersteller die nichtchinesische Konkurrenz noch nicht: frei nach dem Motto „die sollen erst mal liefern“. Doch auf den asiatischen Märkten liefern die Chinesen längst und die Autos, die bereits jetzt nach Europa kommen, zeugen von zunehmender Qualität.

Als Kunde freuen und als Hersteller nachdenklich werden kann man, wenn man sieht, was da alles vorgestellt wird in Peking. Besonders aufgefallen ist mir da das erste Modell EX-5 vom E-Fahrzeug Hersteller WM Motor. Das Fahrzeug fällt nicht nur durch seine angekündigte Performance auf, sondern auch durch seine Corporate Identity – am auffälligsten wohl sein von einer deutschen Agentur beigesteuerter Name „Weltmeister“.

Das E-SUV hat eine Größe vergleichbar zum VW Tiguan, kostet zwischen 20000 und 28000 € und soll je nach Batteriegröße eine Reichweite zwischen 300 und 460 km haben.

Weltweit – aber speziell in Europa – brandet noch immer die Diskussion, ob je und wenn ja wann das E-Auto den Verbrenner verdrängen wird.

Es deutet sich an, dass die Produktpipeline in China mit chinesischen Produkten vollläuft, so dass sich die Asiaten auch zu anderen Märkten aufmachen, hat man doch längst kommuniziert, dass man Weltmarktführer in E-Mobilität werden will.

Und so ist es nicht mehr ganz unwahrscheinlich, dass wir – noch immer im Bewusstsein eigener Herrlichkeit – ohne Kleider aufwachen, wenn dann plötzlich asiatische E-Autos zum Kauf stehen, die zwar viele Details nicht besser können, als speziell europäische Premiumprodukte, aber plötzlich mit E-Antrieb emissionsfrei ganz beträchtliche Distanzen zurücklegen und das zu Preisen, die auf Höhe oder sogar unter den Preisen europäischer Verbrenner liegen.