Der Volkshybrid


Veröffentlicht am 22. März 2019


ZF Chef Scheider meldet sich in diesen Tagen immer wieder zu Wort, wenn eine öffentliche Diskussion über die Präferenz für eine Antriebstechnologie vom Zaun gebrochen wird. So hat der VW Konzern jüngst die Festlegung auf die Batterieelektrik propagiert und sich sogar darüber mokiert, dass zu viele Antriebsvarianten in der Diskussion seien. In einem Interview mit dem Handelsblatt am 2.12.1018 sagte der ZF Vorstandschef: „Wir brauchen den echten Volks-Hybrid. Wenn eine Familie nur ein Auto hat, dann löst nur ein Hybrid mit einer elektrischen Reichweite, die den Pendelverkehr abdeckt, ihre künftigen Mobilitätsanforderungen komplett. Elektrisch kommen Sie dann auch bei Fahrverboten in die Städte und zur Arbeit, und das lokal emissionsfrei. Den Verbrenner nutzen Sie bei langen Überlandfahrten oder Fernfahrten in den Urlaub. Ein reines Elektroauto wird für viele aufgrund der Kosten für große Batterien und Ladezeiten zunächst nur Zweit- oder Drittfahrzeug bleiben. Den Luxus können sich viele Menschen nicht leisten.“

Diese Aussage unterstützt Dr. Ulrich W. Schiefer, Geschäftsführer der AtTrack
GmbH schon seit längerer Zeit und hat das auch nach außen hin dokumentiert indem er abgeschriebene Firmenfahrzeuge beginnend ab 2014 abgestoßen und durch Hybridfahrzeuge ersetzt hat. Anlässlich seines Vortrages beim Verband der Motorjournalisten Ende Februar 2019 in Stuttgart gab der Geschäftsführer der AtTrack GmbH – Gesellschaft für Mobilität dem regionalen Sprecher des VdM Gottfried Weitbrecht ein Interview zum Thema, das wir im Folgenden auszugsweise wiedergeben:

Motorjournalist: Herr Schiefer, wie stehen Sie zu den aufgeladenen Dieselmotoren?

Ulrich W.Schiefer :

Für mit hoher Dauerlast und relativ konstanter Drehzahl laufende LKW Diesel heute der Königsweg mit dem höchsten Wirkungsgrad. Für den kleinen PKW Diesel speziell auch im urbanen Bereich ist er ein Anachronismus, weil mit viel Aufwand mehr Wellenleistung durch mehr Verbrennung also auch Abgas erzeugt wird. Wenn anstatt des Turbo dem Verbrenner ein E-Motor zur Seite gestellt wird (Hybridantrieb) wird mit extrem hoher Effizienz die Bremsenergie zu Strom statt zu Bremsstaub. Der nächste Anfahrvorgang erfolgt dann elektrisch unterstützt und emissionsarm statt turboaufgeblasen. Kurz und knapp: raus mit dem Turbo und rein mit dem E-Motor zur Antriebsunterstützung.

 

Motorjournalist: Sie sagen doch eigentlich damit: Man spart mit dem Hybrid Bremsbeläge und zur Strafe ist dann die Batterie voll.

Ulrich W.Schiefer:

Strafe ist anders! Fragen Sie doch mal Ihren Prius Taxi Fahrer, da gibt’s Fahrzeuge, die dank der Bremsenergierückgewinnung erst nach 300000 km die Bremsbeläge wechseln, da kommen leicht ein paar Tausend € gesparte Werkstattkosten zusammen. Und die volle Batterie? Was besseres kann ihnen nicht passieren, einfach weil elektrische Energie die wertvollste im Auto und zu Hause ist. Versuchen sie doch mal Ihre Lenkung mit Benzin anzutreiben oder Ihr Fenster und den Sitz zu verstellen. Und wenn Sie ein Schläuchlein Benzin vom Tank abzapfen, um Licht zu machen – da brennt allenfalls die ganze Chaise bevor Sies Fernlicht einschalten können.

 

Motorjournalist: Welche Konsequenzen hat der Turbo für die Lebensdauer?

Ulrich W.Schiefer:

Der Grundmotor wird angesichts höherer Zünddrücke signifikant belastet und es kommt bei durchaus moderaten Laufleistungen zu Motorschäden. Klopfneigung kann zu Löchern in Kolben führen, ganz zu Schweigen vom Turbo selbst, ein nach Kosten vierstelliges Teil im Auto ist, das hohes Defektpotential hat.

 

Motorjournalist: Welche Alternativen sehen Sie für den Normalverbraucher?

Ulrich W.Schiefer:

Lieber einen Vollhybrid ohne Turbo als einen Turboaufgeladenen Verbrenner, gleich ob Benziner oder Diesel.

Und wenn ich‘s für die Stadt brauche, ein E-Auto vom Schlage eines Smart oder Zoe.

 

Motorjournalist: Wie schätzen Sie die Chancen der Elektromobilität ein?

Ulrich W. Schiefer:

Riesig weil alternativlos, aber nicht der E-Motor als Sieger über den Verbrenner sondern als sein Retter in eine längere Zukunft via Hybrid. Er tritt für alle Schwächen des mittlerweile in die Jahre gekommenen Verbrenners ein, hilft ihm Abgas zu reduzieren, sorgt mit seiner Kraft dafür, dass der Verbrenner eine höhere Lebensdauer hat,……

Und der Hybridantrieb schafft der spät und auf der letzten Rille daherkommenden deutschen Autoindustrie noch Luft, ihre noch eher unterentwickelte Know How- und Produktionsbasis bei Batterie- und Brennstoffzelle aufzufüllen.