Autonome Shuttles – vor und zurück oder doch umdrehen?


Veröffentlicht am 29. Mai 2019


Auto(Nom)Mobil – ein ganz schön sperriger Begriff für etwas, was so einfach daherkommt, wie ein autonomes Shuttle. Zuerst könnte man meinen, da hätte einer 4 Schubkarrenräder an einen kleinen Überseecontainer geschraubt.

Aber nein – weit gefehlt – so possierlich das Tierchen daherkommt, so faustdick hat es diese neue Fahrzeugklasse hinter den Ohren. Es wird wohl nicht mehr und nicht weniger als die erste Fahrzeugklasse sein, die im öffentlichen Straßenverkehr vollautomatisch und mehr noch, vollautonom herumrollt. Und das ist hier einfach – wo andere sich darüber streiten wie autonom oder nicht autonom ein Tesla Model S ist – mehr als keinen Fahrer dabei zu haben, geht halt nicht!

Jetzt hatten wir letzte Woche das who ist who aus dieser Szene nach Würzburg zur CARHS Safety Week eingeladen (das ist die renommierte Veranstaltung in Deutschland, wenn es um automobile Sicherheit geht, die, von CARHS organisiert, im Vogel Convention Center in Würzburg einmal jährlich stattfindet).

Diskussionen von Betreibern, Fahrzeugherstellern, Prüforganisationen, Gesetzgeber, …. – besser geht’s nicht. Da kommen die Zielkonflikte in einer Dichte auf den Tisch, dass einem manchmal die Spucke wegbleibt. Natalie Rodriguez von der Hamburger Hochbahn thematisiert die Geschwindigkeit des autonomen Shuttles im öffentlichen dichten Innenstadtverkehr. 50 km/h würden sich Fahrgäste und Verkehrsbetriebe wünschen, ist doch Transportkapazität beim ÖPNV ein ganz wichtiger Aspekt.

Ob Verkehr und Domäne das hergeben, ist eine Frage, die es in jedem Einsatzfall erneut zu klären gilt. Alle Experten waren sich ohnehin einig, dass man ein Shuttle nicht einfach in irgendein Verkehrsszenario reinsetzen und erwarten kann, dass es sich zurechtfindet, sondern dass man die Umfeldbedingungen detailliert teachen muss.

Dr. Kallweit von IAV, einem speziell auch in selbstfahrenden Autos erfahrenen Engineering Dienstleister, lässt sich direkt in den Comfort Layer fallen, wenn der Safety Layer keinen Anlass hat, wach zu sein, also das Serotonin unausgeschüttet in den Gefäßen bleibt und den Fahrzeuginsassen kein „Säbelzahntiger“ gefährlich nahe kommt.

Sicherheitsingenieur Herde vom TÜV stellt klar, dass laut aktueller Gesetzeslage deutsche Shuttles nur vorwärts fahren dürfen und an der Endhaltestelle umkehren müssen. Programmchef Schiefer fragt, ob man da nicht mit dem Gesetzgeber in die Diskussion einsteigen sollte, was alles passieren muss, dass das „Dingens“ an der Endstation einfach den Rückwärtsgang einlegt und mit der gleichen Geschwindigkeit wieder an den Ausgangspunkt zurückfährt, von dem es gekommen ist. Klar braucht man vorne die gleiche Lichtanlage und klar braucht man eine FMEA um sicherzustellen, dass hinten am Chassis dann nicht das Fernlicht brennt. Sollte aber in Zeiten der Supercomputer vom Schlage eines Watson möglich sein?

Und so weiter und so weiter – ich kann nur sagen, wer an dieser neuen Mobilitätsform interessiert ist und nicht dabei ist, wenn die Safety Week vom 12.-14.Mai 2020 ihre Türen öffnet und sich die Auto[nom]Mobil Session mit Herz und Verstand mit dem autonomen Shuttle auseinandersetzt, der ist selbst schuld.

Übrigens – ein Wochenendausflug, mit oder ohne den Kindern, zu einem der Orte, wo die noch sehr seltenen „Köfferchen“ rumrollen und mal mitfahren ist ein Erlebnis so zwischen dem sonntäglichen  Zwiebelrostbraten und der Schwarzwälder Kirsch. Wir werden Ihnen gerne immer wieder ein interessantes Projekt nennen, das aktuell aktiv ist. Wenn Sie nen tollen Clip oder ein Bild haben, wie Sie in Aktion sind mit in oder an einem Shuttle, schicken Sie es gerne rein, wir veröffentlichen es hier, wenn Sie wollen!

Erst mal empfehlen wir natürlich den führerlosen Protagonisten der autonomen Shuttles, der unter der Flagge von DB Regio Bus in Bad Birnbach als erster in Deutschland rollte und den Dr. Huber von gleichnamiger Firma auf die Rädchen gesetzt hat. Dort lockt nicht nur der Bus sondern das lauschige Kurörtchen und die wundervolle Voralpenlandschaft. – und vielleicht ist ja sogar das Hündchen aus dem Film zugange.

Von Ulrich W. Schiefer